Rubelkontrolle

Die sowjetische Wirtschaft wurde überwiegend zentral kontrolliert, wobei Produktions- und Angebotsziele anhand physischer Indikatoren oder quasi-physischer Einheiten festgelegt wurden und die Preise nach Kriterien festgelegt wurden, die weit entfernt von jeglicher Berücksichtigung des Nachfrage- und Angebotsgleichgewichts waren. Angesichts des doppelten Geldumlaufs in der Wirtschaft sollten innerhalb des staatlichen Sektors nur physische oder quasi-physische Einheiten verwendet werden. Die Haushalte hingegen beteiligten sich an einer überwiegend festpreisigen Bargeldwirtschaft. Die zentrale Kontrolle der Währungseinheiten wurde als Rubelkontrolle bezeichnet. Sie zielte sowohl auf die quasi-physischen Währungseinheiten ab, die für die Entscheidungsfindung im staatlichen Sektor verwendet wurden, als auch auf die meist festverzinslichen Währungseinheiten, mit denen der Haushaltssektor konfrontiert war.

Im weitesten Sinne des Wortes umfasste die Rubelkontrolle somit die zentrale Kontrolle über alle Aktivitäten, bei denen Währungseinheiten verwendet wurden. Dies umfasste vor allem Preise, Löhne, Kosten, Gewinne, Investitionen und Finanzen sowie Kredite. Da die Verwendung von Geldeinheiten in einer Multiresource- und Multiproduktwirtschaft weit verbreitet ist, war der Bereich der Rubelkontrolle selbst in einer zentral verwalteten Wirtschaft weitreichend. Die Rubelkontrolle sollte nicht nur ein weiteres allgemeines Kontrollinstrument sein, sondern sich auch auf die Verbesserung der Effizienz und des Gleichgewichts in der Wirtschaft konzentrieren. Je mehr sich die Wirtschaft von einer direkten zentralen Kontrolle des unternehmerischen und anderen Verhaltens zu einer indirekteren Kontrolle auf der Grundlage von Preisen und anderen Währungseinheiten bewegte, desto mehr wuchs die Bedeutung der Rubelkontrolle. Die verwendeten Währungseinheiten wurden jedoch administrativ festgelegt, und die Unternehmen hatten weiche Budgetbeschränkungen mit wenig wirklicher Entscheidungsunabhängigkeit, so dass die Rubelkontrolle nur ein weiterer Weg zur Implementierung des zentralen Managements blieb und nicht zu einem Element der Marktbeziehungen wurde.

Da die zentral verwaltete Wirtschaft eine Vielzahl von Währungseinheiten hatte, hatte die Rubelkontrolle auch eine große Anzahl von Themen, von Wirtschaftsunternehmen über Regierungsministerien bis hin zur Staatsbank. Die Vielfalt der Kontrollstellen und ihre immer schlecht definierten Vorrechte sowie die unvermeidliche Divergenz der Interessen zwischen diesen unterschiedlichen Gruppen führten dazu, dass die Rubelkontrolle kein optimales Managementinstrument war. Verschiedene Controller haben unterschiedliche oder sogar widersprüchliche Befehle gesendet, wodurch untergeordneten Einheiten zumindest Entscheidungsspielraum eingeräumt wurde. Unternehmen hatten in der Planungsphase einen Einfluss auf die Richtlinien und Parameter, die ihnen letztendlich gegeben würden. Da diese Unternehmen über weiche Budgetbeschränkungen verfügten, war die Verfügbarkeit von Finanzmitteln keine verbindliche Einschränkung, wenn ein vorrangiges Ziel nicht erfüllt zu werden drohte. Dies liegt daran, dass die Kosten, obwohl sie theoretisch unter Rubelkontrolle standen, bei Bedarf überschritten werden könnten, um die Produktionsziele zu erreichen. Die sowjetischen Führer dachten, sie könnten Ineffizienz gut akzeptieren, wenn dies ihnen helfen würde, Ziele mit höherer Priorität zu erreichen, weil sie glaubten, dass die Ressourcen nahezu unbegrenzt verfügbar seien. Mit anderen Worten, das zentrale Management basierte auf vorrangigem Denken, und die Rubelkontrolle musste den festgelegten Prioritäten gerecht werden.

Die negativen Konsequenzen dieser Logik waren von Anfang an im zentralen Management sichtbar. Bereits 1931 wurden viele Vorschläge zur Verbesserung der Rubelkontrolle verbreitet. Dazu gehörten eine rationellere Preisgestaltung, eine umfassendere Kostenrechnung und eine bessere Koordinierung der verschiedenen Kontrollen sowie eine verstärkte Dezentralisierung, zumindest bei der Planerfüllung. Über die Logik der Prioritätsplanung ist ersichtlich, dass während aller Wellen der sowjetischen Reformdiskussion bis in die 1980er Jahre sehr ähnliche, sogar identische Vorschläge zur Rationalisierung des zentralen Managements unterbreitet wurden. In den frühen achtziger Jahren funktionierte das System jedoch sehr ähnlich wie vor fünfzig Jahren, mit einem entscheidenden Unterschied: Der Massenterror war abgeschafft worden, und ein erhöhter Konsum war zu einer Priorität geworden. Einerseits hatte dies die Rubelkontrolle wichtiger gemacht. Andererseits hatten diese Entwicklungen durch die Schwächung anderer Kontrollen und die Erhöhung der Autonomie sowohl der Manager als auch der Haushalte die Rubelkontrolle erschwert. Es gab Märkte und Quasi-Märkte, aber marktbasierte politische Instrumente fehlten.