Petra Kelly

Petra Kelly (1947-1992), westdeutsche Pazifistin und Politikerin, hatte den Ruf, eine der aktivsten und bekanntesten Protagonistinnen der europäischen Friedens- und Ökologiebewegung zu sein.

Petra Karin Lehmann wurde am 29. November 1947 in Günzburg, Bayern, geboren. Ihr Vater verließ die Familie, als sie fünf Jahre alt war. 1958 heiratete ihre Mutter einen amerikanischen Offizier, John E. Kelly. Petra Kelly erhielt den Namen ihres Stiefvaters, blieb aber westdeutsche Staatsbürgerin. Sie wurde in einem römisch-katholischen Kloster in Günzburg erzogen.

Die Familie zog 1959 in die USA, wo Kelly die High School in Columbus / West Georgia besuchte. Von 1966 bis 1970 studierte sie Politikwissenschaft an der School of International Service der American University in Washington, DC

Zurück auf dem Kontinent schloss sie ihr Studium an der Universität von Amsterdam in den Niederlanden ab. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Europäischen Institut und schloss ihr Studium mit einem MA ab. Zwischen 1971 und 1973 sammelte sie praktische Kenntnisse bei der Kommission der Europäischen Gemeinschaft (ECC) in Brüssel. 1973 wurde sie schließlich eine Vollzeitbeamtin, die bei der Europäischen Gemeinschaft angestellt war, um sich mit sozialen und arbeitsrechtlichen Problemen, der öffentlichen Gesundheit und verschiedenen Aspekten des Umweltschutzes zu befassen.

Die Erfahrungen ihrer Teenagerjahre in den USA hatten ihre politische Sozialisation stark beeinflusst. Sie war Zeuge des gewaltfreien Kampfes der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und war tief beeindruckt. Sie war auch besorgt über das militärische Engagement der USA in Vietnam. 1968 setzte sie sich für den Präsidentschaftskandidaten Robert Kennedy ein, der ihr politisches Idol wurde, und nach seiner Ermordung für Hubert Humphrey.

Ihre Ziele setzen

Die brutale politische Gewalt, die durch die Ermordung der Kennedy-Brüder und von Martin Luther King zum Ausdruck kam, beeindruckte Kelly stark. Es richtete sie auf Gewaltlosigkeit, christliche Nächstenliebe, Solidarität und vor allem auf weltweiten Frieden. Als sie während eines Prager Besuchs im August 1968 Zeuge des sowjetischen Einmarsches in die Tschechoslowakei wurde, übernahm sie einen anderen Grundsatz: "Menschenrechte dürfen nicht selektiv behandelt werden."

Der Tod ihrer Schwester Grace an Augenkrebs im Februar 1970 im Alter von zehn Jahren zeigte nach Kellys Ansicht ein gefährliches modernes Syndrom: Sie nannte es die "Krebserkrankung der Welt, die hauptsächlich durch weltweite nukleare Verschmutzung verursacht wird". Der Kampf gegen die zivile und militärische Nutzung der Atomkraft und für die gegenseitige Abrüstung stand in den 1970er Jahren im Mittelpunkt ihrer politischen Arbeit.

Sie beteiligte sich an zahlreichen Aktivitäten der europäischen Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegung. Zu ihrem Engagement gehörte der Protest gegen die Politik als Männerdomäne und gegen patriarchalische Strukturen im Alltag. Ihre Beschäftigung mit Umweltfragen ergab sich aus einer echten Besorgnis über die direkte physische Bedrohung des Menschen durch die industrielle Verschlechterung der Umwelt und aus einem wachsenden Bewusstsein für die Grenzen des Wachstums in modernen Industriegesellschaften der Nachkriegszeit.

1972 unterstützte sie Bundeskanzlerin Willy Brandt und trat der Sozialdemokratischen Partei (SPD) bei. Politisch enttäuscht verließ sie 1979 die Partei. Ihr Interesse richtete sich auf die Arbeit in der 1972 gegründeten "Dachorganisation" der Umweltbewegung BundU, die zwischen 1976 und 1979 erfolgreich war bei Kommunal- und Landtagswahlen. Kelly gehörte zu den prominenten Aktivisten, die versuchten, Ideen und Unterstützer der Ökologiebewegung in ein gemeinsames Programm und eine gemeinsame Organisation zu integrieren. In der Zwischenzeit war sie in das Exekutivkomitee der BBU gewählt worden.

Die grüne Partei bilden

Im März 1979 beteiligte sie sich an der Gründung der "Other Political Association", der Grünen. Die neue Partei behielt die traditionellen Ziele der westdeutschen Bürgerinitiativenbewegung der 1970er Jahre bei: das Streben nach ökologischer, sozialer, demokratischer und gewaltfreier Politik an der Basis. Letzteres gipfelte in dem Protest gegen die NATO-Entscheidung von 1979, die den Einsatz weiterer US-Erstschlagraketen in der Bundesrepublik Deutschland vorsah.

Ihre Aktivitäten in der Grünen machten Kelly einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. 1979 wurde sie für das Europäische Parlament in Straßburg nominiert. Im März 1980 wurde sie zum Mitglied und Sprecherin des Exekutivkomitees der Grünen gewählt. Sie kämpfte bei den Bundestagswahlen 1980 sowie bei den bayerischen Landtagswahlen 1982, verlor aber. Schließlich brachten die Bundestagswahlen von 1983 einen überwältigenden Erfolg. Die Grünen erhielten über zwei Millionen Stimmen. Kelly trat als Mitglied und Sprecher der Grünen Fraktion ins Parlament ein.

Innerhalb des breiten und heterogenen politischen Spektrums der Grünen, das von Gewerkschaftern, Sozialisten und Veteranen der Studentenprotestbewegung der 1960er Jahre bis zu christlichen Pazifisten und Konservativen reichte, nahm Kelly eine Schlüsselposition im fundamentalistischen Flügel ein. Sie definierte die Grünen als "Anti-Partei-Partei" und das Parlament in erster Linie als "Marktplatz", um ihre Ansichten zu vertreten.

Ihre Befürchtungen waren, dass die Grünen eine Sammelpartei werden würden, die "nur Macht erlangen will", was es ihnen nicht mehr erlauben würde, utopische Vorschläge zu machen und grundlegende Fragen zu stellen. Sie wollte, dass die Grünen "fundamentalistisch und in ihren Grundforderungen kompromisslos bleiben".

Kelly wurde als "Jeanne d'Arc des Atomzeitalters" und als "weltliche Nonne" bezeichnet. Ihre charismatische Anziehungskraft wurde genutzt, um ihren Glauben an eine idealistische, romantische und utopische Gesellschaft ohne "Egoismus und Profit, Krieg und Krankheit" zu fördern. Dieses Ziel konnte erreicht werden, indem man sich selbst veränderte und kollektive, kreative und farbenfrohe gewaltfreie Mittel des zivilen Ungehorsams einsetzte. Sie nahm sich in der politischen Tradition von Martin Luther King, Gandhi, der russischen revolutionären Schriftstellerin und Suffragette Alexandra Kollontai und der deutschen Sozialistin Rosa Luxemburg wieder.

Kellys Lieblingswerke waren die Schriften von Henry David Thoreau, Virginia Woolf, Anne M. Lindbergh und William B. Yeats. Allein veröffentlichte sie einen Band ihrer wichtigsten Artikel, Reden, Appelle und Briefe unter dem Titel Kampf um Hoffnung - der gewaltfreie Weg in eine grüne Zukunft. Das Buch enthielt ein Vorwort des deutschen Schriftstellers und Friedensnobelpreisträgers Heinrich Böll.

1992 war Kelly nach New York gereist, um vor den Vereinten Nationen (UN) über chinesische Menschenrechtsverletzungen in Tibet zu sprechen und an Zeremonien und Feierlichkeiten zum Internationalen Frauentag teilzunehmen. Im Oktober dieses Jahres wurde Petra Kelly in ihrem Haus in Bonn erschossen aufgefunden, was vermutlich ein Selbstmordmord war, der von ihrem Begleiter Gert Bastian begangen wurde.

Weiterführende Literatur

Petra Kellys Biographie Petra Karin Kelly. Politikerin aus Betroffenheit (München 1983 und Hamburg 1985) von Monika Sperr ist in deutscher Sprache; Zu den analytischen Umfragen der Grünen gehören Elim Papadakis ' Die grüne Bewegung in Westdeutschland (1984); und Charlene Spretnaks, Grüne Politik. Das globale Versprechen (1984); siehe auch "Deutschland: Petra Kellys Tod" von Andrew Giarelli in World Press Review, Dezember 1994; und "Last Words From Petra Kelly" von Eric Williams in Das Progressive, 1. Januar 1993, vol. 57, nein. 1. □