Kongress von berlin

Der Berliner Kongress fand vom 13. Juni bis 13. Juli 1878 statt. Sein allgemeiner Zweck war die Schaffung einer neuen Friedensregelung zwischen dem Osmanischen Reich und Russland nach dem russischen Sieg im russisch-türkischen Krieg (1877–1878). Zu den spezifischen Zielen des Kongresses gehörte eine Überarbeitung des Vertrags von San Stefano, den die russische Regierung der Türkei Anfang des Jahres auferlegt hatte: Die Türkei hoffte auf bessere Friedensbedingungen. Die Österreich-Ungarn und die Briten betrachteten den Vertrag von San Stefano als Verstoß gegen frühere Vereinbarungen mit der russischen Regierung - gegen ihre eigenen Interessen gerichtet. Sie lehnten insbesondere die Errichtung eines "Großbulgariens" ab, weil sie befürchteten, dass die Russen es als Marionettenstaat nutzen würden, um ihre Herrschaft über den Balkan zu unterstützen. Im Frühjahr 1878 kam die russische Regierung zu dem Schluss, dass ihre Gegner, insbesondere Großbritannien, bereit waren, erforderlichenfalls in den Krieg zu ziehen, um den Vertrag von San Stefano zu revidieren. Die Briten schickten eine Flotte nach Istanbul, eine Geste, die für die Russen wie eine mögliche Wiederholung des Krimkrieges (1853–1856) aussah. Die russischen Führer waren sich bewusst, dass sie aus militärischen und politischen Gründen nicht in der Lage waren, einen solchen Krieg gegen Großbritannien zu riskieren, ganz zu schweigen von möglicherweise Österreich-Ungarn. Dies war insbesondere deshalb so, weil die russische Armee durch Krankheit geschwächt wurde und die Russen einem Kompromissversuch zustimmten.

Die beteiligten Mächte einigten sich darauf, den Konflikt durch eine Konferenz beizulegen. Bundeskanzler Otto von Bismarck, der mehrfach erklärt hatte, Deutschland habe kein Interesse an dieser besonderen Krise, außer um den europäischen Frieden zu wahren, bot seine Dienste als "ehrlicher Makler" an (ehrlicher Makler) in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag im Januar 1878. Mit dieser Zustimmung des Kongresses versuchten die beteiligten Mächte einen friedlichen Weg, um einen Krieg zu vermeiden. Die hochrangigen Teilnehmer machten den Berliner Kongress zu einem der wichtigsten politischen Ereignisse im Europa des XNUMX. Jahrhunderts. Unter den Teilnehmern waren so prominente Persönlichkeiten der europäischen Politik wie Bismarck, Benjamin Disraeli (Großbritannien), Graf Gyula Andrássy (Österreich-Ungarn), Alexander Gorchakov (Russland), William Henry Waddington (Frankreich) und Graf Luigi Corti (Italien) . Alexander Karatheodori leitete die osmanische Delegation. Die Balkanstaaten entsandten Delegierte zur Konferenz, konnten jedoch nur auf Anfrage über die Positionen der Staats- und Regierungschefs ihres Landes berichten.

Einer der wichtigsten Punkte in den Diskussionen war die Bestimmung der Größe des neuen Staates Bulgarien. Die Grenze Bulgariens wurde gemäß dem Vertrag von San Stefano nach den damals als "ethnisch" geltenden Grenzen der bulgarischen Bevölkerung gezogen. Die Führer von Großbritannien und Österreich-Ungarn lehnten dieses "Großbulgarien" ab, weil sie befürchteten, dass es unter russischer Herrschaft stehen würde, wobei der gesamte Balkan und Istanbul folgen würden.

Die in den schwierigen Verhandlungen erzielten Vereinbarungen haben den Vertrag von San Stefano erheblich verändert. Das in diesem Vertrag existierende Großbulgarien wurde in drei Regionen unterteilt: Bulgarien wurde unter nomineller osmanischer Oberhoheit zum Fürstentum gemacht; Ost-Rumelien (Bulgarien südlich des Balkangebirges) sollte mit bestimmten autonomen Rechten von einem christlichen Vertreter des osmanischen Kaisers regiert werden; und Mazedonien sollte unter uneingeschränkter osmanischer Souveränität bleiben. Bosnien-Herzegowina wurde XNUMX Jahre lang zur Verwaltung und militärischen Besetzung nach Österreich-Ungarn versetzt. Österreich besetzte auch den Sanjak (türkischer Bezirk) von Novi Pazar. Montenegro, Serbien und Rumänien erlangten die volle Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich und erzielten einige territoriale Gewinne, ebenso wie Griechenland, das in Thessalien eine Grenzkorrektur erhielt. Russland erhielt Ardahan, Batum (jetzt Batumi) und Kars von den Osmanen und Bessarabien von Rumänien als Gegenleistung für die Dobruja. In einer separaten Vereinbarung mit der osmanischen Regierung, die während der Konferenz geheim gehalten wurde, erlangte Großbritannien die Kontrolle über Zypern. Kreta wurde eine eigene Verfassungsregierung versprochen. Weitere Bestimmungen des Berliner Kongresses waren der Schutz religiöser Minderheiten in der Türkei.

In Anbetracht der diplomatischen Kultur dieser Zeit war der Berliner Kongress ein bemerkenswertes Ereignis. Disraeli war der erste europäische Staatsmann, der bei einer solchen Gelegenheit Englisch anstelle von Französisch verwendete. Bismarck leitete den Kongress effizient und schnell, ging jedoch hart auf die türkische Delegation ein und ließ wenig Spielraum.

Die wichtigsten Ergebnisse dieses Kongresses waren die Gestaltung der Zukunft Bulgariens und die Schwächung des Osmanischen Reiches. Der Berliner Kongress hat den europäischen Frieden über Jahre hinweg bewahrt, aber keine dauerhafte Lösung für die Position der Balkanregion zwischen dem Status quo und Fragen der Nationalität gefunden. Die Errichtung eines Großbulgariens nach dem Vertrag von San Stefano wäre eine klarere Lösung gewesen und hätte der Geschichte des Balkans und folglich der Geschichte Europas ein anderes Ergebnis beschert.