Josef ignaz von döllinger

Der deutsche Historiker und Theologe Johannes Josef Ignaz von Döllinger (1799-1890) vertrat den katholischen Flügel der großen deutschen historischen Bewegung des 19. Jahrhunderts.

Am 28. Februar 1799 wurde JJI von Döllinger in Bamberg geboren. Sein Vater war Professor für Physiologie und Anatomie in Bamberg und später in Würzburg und, obwohl katholisch, ausgesprochen antiklerikal. Dieser Einfluss wurde durch die Frömmigkeit von Döllingers Mutter ausgeglichen, und das Interesse des Jungen wandte sich nach einigen Semestern in Würzburg, in denen er Philosophie und Philologie studierte, der Theologie zu. Er trat in das Seminar in Bamberg ein und wurde 1822 zum Priester geweiht. Desillusioniert von akademischen Studien wünschte er sich nur ein Landpastorat, aber nachdem er kaum ein Jahr als Pfarrer gedient hatte, wurde er von seinem Vater dazu gebracht, ins akademische Leben zurückzukehren.

Anschließend unterrichtete Döllinger am Gymnasium in Aschaffenburg kanonisches Recht und Kirchengeschichte. Seine Interessen wandten sich patristischen Studien zu und er veröffentlichte das erste von vielen Büchern zur Kirchengeschichte, für die er breite Anerkennung fand. 1827 übernahm er den Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der Universität München, eine Position, die er bis 1872 innehatte. In München schloss er sich dem Kreis von FX von Baader und J. von Görres an. Diese Gruppe war in der Politik monarchistisch, stark von der deutschen Romantik beeinflusst und neigte dazu, die kirchlichen Beziehungen zu Rom zu stärken. Danach wurde Döllinger zunehmend im öffentlichen Leben aktiv und arbeitete stets daran, den Einfluss der Religion zu verbreiten. Er vertrat Niederbayern auf dem Frankfurter Kongress 1848-1849.

In seinen historischen Studien betonte Döllinger historische Kontinuität und organische Entwicklung. Mit der Begründung, dass die Reformation einen Bruch in dieser Kontinuität darstelle, führte er einen Gegenangriff gegen die einflussreiche Schule von Leopold von Ranke und anderen protestantischen oder liberalen Historikern.

Döllingers Bemühungen, den deutschen Katholizismus wiederzubeleben, führten ihn allmählich dazu, die Abhängigkeit von Rom zu minimieren, und nach 1850 setzte er sich zunehmend für eine deutsche Nationalkirche ein. Er bestand auch auf dem Recht der Gelehrten, frei von kirchlicher Zensur zu sein. Kurz vor der Eröffnung des Vatikanischen Konzils im Jahr 1869 erschien sein Buch Der Papst und der Rat, die die Vorherrschaft eines Generalrates argumentierte, wurde in Rom verurteilt. Während des Verfahrens korrespondierte er mit der Minderheit, die sich gegen die Unfehlbarkeitsverordnung aussprach. Aber seine Veröffentlichung von Römische Briefe des Rates (1870) verletzten die Ursache durch ihren gemäßigten und sarkastischen Ton. 1871 wurde er exkommuniziert, weil er sich geweigert hatte, die Ratsverordnungen über päpstliche Vorrechte zu unterschreiben, und ein Jahr später wurde er von seiner Professur ausgeschlossen.

Döllinger war mit den Führern der schismatischen Gruppe "Altkatholiken" befreundet, weigerte sich jedoch, sich ihrer Bewegung anzuschließen. In späteren Jahren setzte er sich für die Wiedervereinigung der Kirchen ein. Er nahm die letzten Riten eines altkatholischen Priesters an und starb am 10. Januar 1890 in München.

Weiterführende Literatur

Louise von Kobell, Gespräche von Dr. Döllinger (1891; trans. 1892) liefert persönliche Erinnerungen. Lord Acton gibt eine ausführliche Schätzung von Döllingers historischem Werk in seinem Geschichte der Freiheit und andere Essays (1907). □