Isaac ben Judah Abravanel

Der jüdische Philosoph und Staatsmann Isaac ben Judah Abravanel (1437-1508) oder Abarbanel ist bekannt für seine biblischen Kommentare und für seinen Versuch, die Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 zu verhindern.

Isaac Abravanel, ein Nachkomme einer alten und angesehenen spanischen Familie, wurde in Lissabon, Portugal, geboren. Neben einer intensiven religiösen Ausbildung erhielt er eine breite liberale Ausbildung und erwarb gründliche Kenntnisse in griechischer, lateinischer und christlicher Literatur. Wie sein Vater war Isaac sowohl in seiner kommerziellen als auch in seiner diplomatischen Karriere sehr erfolgreich. Er diente als Schatzmeister unter den portugiesischen Königen Alfons V und Johannes II. Abravanel wurde 1483 fälschlicherweise wegen Verschwörung gegen die Monarchie angeklagt und floh nach Kastilien, Spanien. Dort widmete er sich seinem Kommentar zu mehreren biblischen Büchern der Propheten.

1490 wurde Abravanel zum Schatzmeister der spanischen Monarchen Ferdinand und Isabella ernannt. Doch 1492 überredete Torquemada, der Chef der spanischen Inquisition, das königliche Paar, die Juden aus Spanien zu vertreiben. Trotz Abravanels wichtiger Verdienste um die Krone waren seine Versuche, das Ausweisungsdekret aufzuheben, erfolglos. Er ging mit seinen Mitjuden ins Exil und zog nach Neapel, wo er bald einen finanziellen Posten in der Regierung erhielt. 1495 zwang ihn eine französische Invasion, Neapel zu verlassen. Nach einigen Jahren des zeitweiligen Wanderns ließ er sich 1503 in Venedig nieder. Er starb dort 1508 und wurde in Padua beigesetzt.

Seine Schriften

Abravanels wichtigste Werke sind die Kommentare, die er zu fast allen Büchern des Alten Testaments schrieb. In seinen Bibelstudien verwendete er einen so genannten kritischen oder wissenschaftlichen Ansatz. Er untersuchte die historischen Episoden in der Bibel im Lichte wirtschaftlicher, politischer und sozialer Faktoren und zog oft Analogien zu seiner Zeit. Bei der Datierung biblischer Bücher weicht er oft von der Tradition ab und zögert nicht, die Werke christlicher Gelehrter zu konsultieren.

Abravanel schrieb auch eine Reihe von philosophischen und theologischen Werken. Seine Rosh Amana (Säulen des Glaubens) und Sefer Mifalot Elohim (Buch der Werke Gottes) zeigen den Einfluss des jüdischen Philosophen Maimonides aus dem 12. Jahrhundert. Im Allgemeinen entwickelte Abravanel eine negative Sicht auf Kultur und Zivilisation. Er wurde von den Stoikern in seiner Verurteilung des luxuriösen Lebens und von den Zynikern in seiner Kritik am politischen Staat beeinflusst. Sein Pessimismus wurde jedoch durch einen festen Glauben an das wundersame Kommen des Messias ausgeglichen, in dem er darlegte Maayene Hayeshuah (Heilsbrunnen), Yeshuath Meshiho (Errettung seines Messias) und Mashmia Yeshua (Heilserklärung). Diese Arbeiten trugen zum späteren Aufkommen falscher Messias bei.

Weiterführende Literatur

Die wichtigste wissenschaftliche Arbeit über Abravanel ist B. Netanyahu, Don Isaac Abravanel: Staatsmann und Philosoph (1953), die eine umfangreiche Bibliographie enthält. Spezialisierte Studien sind Jacob S. Minkin, Abarbanel und die Vertreibung der Juden aus Spanien (1938) und das Kapitel über Abravanel in Joseph Sarachek, Die Lehre vom Messias in der mittelalterlichen jüdischen Literatur (1932; 2. Aufl. 1968). Eine kurze allgemeine Zusammenfassung von Abravanels Leben und Denken findet sich in Meyer Waxman, Eine Geschichte der jüdischen Literatur (4 Bde., 1930-1931; 5 Bde., 6, 1960). Julius Guttman, Philosophien des Judentums (1933; trans. 1964) enthält eine kurze Diskussion seines Denkens. □