Hintergrund: die Druckmaschine und die Verbreitung von Ideen

Gutenberg. Für eine Erfindung, die die Geschichte so radikal verändert hat, wissen wir bemerkenswert wenig über die frühe Entwicklung der beweglichen Druckmaschine. Mit Sicherheit kann man nur sagen, dass es sich um einen schrittweisen Prozess handelte, der zwischen 1445 und 1450 in der deutschen Stadt Mainz gipfelte, als mehrere Personen, darunter ein ehemaliger Goldschmied namens Johann Gutenberg, zum frühesten funktionsfähigen Prototyp beitrugen. Obwohl es übertrieben wäre zu sagen, dass Gutenberg den beweglichen Druck „erfunden“ hat, ist es wahr, dass seine Presse als erste ein langwieriges, umfangreiches gedrucktes Buch veröffentlichte, die berühmte Gutenberg-Bibel, 1454–1456. Von Mainz aus verbreitete sich die Druckmaschine schnell, zuerst durch Deutschland und dann in andere Gebiete Europas. Bis 1500 waren auf dem gesamten Kontinent mehr als tausend Druckmaschinen eingerichtet worden, und sie hatten zusammen mehr als neun Millionen Exemplare von mehr als vierzigtausend separaten Buchtiteln produziert. Das europäische Handelszentrum Venedig wurde ebenfalls zur Druckhauptstadt des Kontinents, da allein in der Stadt fast hundert Druckereien untergebracht waren.

Alphabetisierung und der Buchmarkt. Die kulturellen Auswirkungen der Druckerei im Europa des späten XNUMX. Jahrhunderts waren enorm. Die weit verbreitete Verfügbarkeit von Standardkopien der Werke antiker und moderner Schriftsteller bedeutete vor allem eine schnellere Übermittlung und Verbreitung von Ideen als dies in früheren Jahrhunderten möglich war, als Bücher nur in handschriftlicher Form hergestellt und kopiert worden waren. Darüber hinaus reagierte die durch den Druck ermöglichte Explosion der Verfügbarkeit von Büchern auf die zunehmende Alphabetisierung der europäischen Bevölkerung und trug wiederum dazu bei. Als Reaktion auf die Forderungen der weitgehend gläubigen Leserschaft Europas wurde der frühe Buchmarkt von Gebetshandbüchern, Bibeln und anderen religiösen Werken dominiert. Neben religiösen Büchern forderten akademische Leser gedruckte Exemplare der Werke antiker römischer und griechischer Denker, darunter viele jener, die erst kürzlich von den Gelehrten der italienischen Renaissance „geborgen“ worden waren.

Verfügbarkeit von Büchern. Wie in anderen Forschungsbereichen erleichterte die Verfügbarkeit gedruckter Bücher die Verbreitung geografischer Kenntnisse und Theorien erheblich. Der wachsende europäische Buchmarkt im späten XNUMX. Jahrhundert war ein kritischer Verbindungspunkt zwischen den sich verändernden Weltanschauungen der Intellektuellen der Renaissance einerseits und den Unternehmen europäischer Seeleute wie Christoph Kolumbus andererseits. Spanische und portugiesische Seefahrer konnten beispielsweise in den Buchhandlungen großer Hafenstädte wie Sevilla und Lissabon leicht Kopien der Werke antiker und moderner Geographen und Wissenschaftler finden. Die persönliche Bibliothek von Columbus enthielt zum Beispiel gedruckte Exemplare von Ptolemäus Geographia, Marco Polos Reiseberichte aus dem 1410. Jahrhundert und die einflussreiche geografische Zusammenfassung von XNUMX Imago Mundi (Bild der Welt) geschrieben vom französischen Geistlichen Pierre d'Ailly. Europäische Gelehrte und Seeleute, die ihre Informationen aus solchen Quellen beziehen, führen regelmäßig lebhafte Debatten über die Größe der Erde und die relativen Positionen ihrer Landmassen.

Quelle

William D. Phillips Jr. und Carla Rahn Phillips, Die Welten von Christoph Kolumbus (Cambridge, Großbritannien: Cambridge University Press, 1992).