Harry Thuku

Harry Thuku (1895-1970), kenianischer Politiker, war einer der Pioniere bei der Entwicklung des modernen afrikanischen Nationalismus in Kenia.

Harry Thuku wurde im kenianischen Distrikt Kambui geboren. Er stammte aus einer der einflussreichsten Kibuyu-Familien der Region. Er verbrachte 4 Jahre in der Schule der Kambui Gospel Mission und erhielt 1911 eine 2-jährige Haftstrafe wegen Fälschung eines Schecks. Als nächstes wurde Thuku ein Schriftsetzer für die Führer, eine europäische Siedlerzeitung. 1918 wurde er Büroangestellter im staatlichen Finanzamt in Nairobi. All diese Erfahrungen hatten Thuku zu einem der ersten Afrikaner Kenias gemacht, der in der Lage war, in englischer Sprache zu arbeiten.

Zu dieser Zeit wurden die ersten afrikanischen Organisationen gegründet, um afrikanische Interessen gegen die europäischen Herrscher Kenias zu verteidigen. Eine der ersten, die Kikuyu-Vereinigung, war eine nichtmilitäre Gruppe mit Verbindungen zur Regierung und zu Missionen. Ihr Hauptanliegen war die Erhaltung von Land in afrikanischem Besitz. In den Jahren 1920-1921 war Thuku sein Sekretär. Er war jedoch an energischeren Maßnahmen zur Bewältigung anderer Probleme der kenianischen Afrikaner interessiert und verließ 1921 die Kikuyu-Vereinigung, als diese nicht reagierte, weil er auf neuen europäischen Druck wünschte. Kenia litt damals unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten, und die organisierten Europäer wollten die afrikanischen Löhne senken, um die wirtschaftliche Position der Kolonie wiederzubeleben.

Thuku war einer der Gründer der East African Association (1921), Nairobis erster moderner politischer Organisation. Es zog Mitglieder aus vielen Stammesgruppen an, aber aufgrund seiner Lage waren die meisten Mitglieder Kikuyu. Thuku spielte aufgrund seiner Ausbildung und seiner Regierungsposition eine wichtige Rolle. Die kenianische Regierung widersetzte sich den Zielen des Verbandes, da die von Siedlern dominierte Kolonie noch nicht zu einer eindringlichen Darstellung afrikanischer Ansichten bereit war. Aber Thuku und seine Kollegen arbeiteten weiter und gewannen Unterstützung unter Kenias gebildeten Afrikanern. Dieser Erfolg führte 1922 zu Thukus Verhaftung. Dieses Ereignis wurde von einem intensiven afrikanischen Protest begleitet, der zu einer Demonstration führte, die in Gewalt gipfelte. Thuku wurde dann in das abgelegene Kismayu deportiert.

Die East African Association lehnte daraufhin ab, aber diejenigen, die an afrikanischen Rechten interessiert waren, blieben aktiv. Thuku blieb in ihren Gedanken als Hauptführer. Er wurde 1931 freigelassen; 1932 wurde er Präsident der Kikuyu Central Association, damals Kenias führender afrikanischer Fraktion. Unter den Führern der Vereinigung kam es jedoch zu Meinungsverschiedenheiten, und die Organisation spaltete sich in Fraktionen auf. Schließlich gründete Thuku seine eigene Gruppe, die Kikuyu Provincial Association, die sich dem legalen, nicht militanten Protest widmete. Diese Hinwendung zur Mäßigung führte zu einer dauerhaften Spaltung zwischen Thuku und der aufstrebenden Generation der zukünftigen Führer Kenias. Von dieser Zeit an spielte Thuku keine wichtige Rolle in der Entwicklung des afrikanischen Nationalismus in seinem Land.

Weiterführende Literatur

Der beste Bericht über Thuku und seine Zeit ist Carl G. Rosberg Jr. und John Nottingham Der Mythos von "Mau Mau": Nationalismus in Kenia (1966). Andere nützliche Quellen sind George Bennett, Kenia: Eine politische Geschichte (1963) und BA Ogot und JA Kieran, Hrsg., Zamani: Ein Überblick über die ostafrikanische Geschichte (1968). □