Flämische nationale Liga

Der Vlaams Nationaal Verbond war von 1933 bis 1945 eine flämisch-nationalistische politische Partei der extremen Rechten. Der flämische Nationalismus entstand im Ersten Weltkrieg als Reaktion auf das Fehlen einer Sprachrechtsregelung für niederländischsprachige Flamen im belgischen Staat, die dominiert wurde von Frankophonen. Trotz der Tatsache, dass einige Nachkriegssprachengesetze mehrere der flämischen Forderungen erfüllten, entwickelte der flämische Nationalismus eine starke anti-belgische Spur. Die Ablehnung des belgischen Staates ging einher mit einer wachsenden Abneigung gegen die Demokratie. Die Flämische Nationalliga war die wichtigste Emanation dieser Entwicklung.

Die Partei wurde 1933 gegründet, als Staf De Clercq, ein bekannter flämischer nationalistischer Politiker, eine Reihe von anti-belgischen, flämischen nationalistischen Organisationen zu einer Partei zusammenschloss. Das Programm der neuen Partei wurde von der deutschen Nazipartei und anderen europäischen nationalistischen Bewegungen der extremen Rechten inspiriert. Die FNL hatte ein pan-nationales Ziel: Sie wollte Flandern an die Niederlande annektieren, da alle Niederländischsprachigen als ein "Diät" -Volk angesehen wurden. Dies blieb ein rein theoretischer Punkt, da in den Niederlanden kein Interesse bestand, selbst an Anton Musserts nationalsozialistischer Bewegung (NSA), die theoretisch für "Dietsland" war. Die FNL sah sich als revolutionäre Avantgarde der flämischen "Diäten" und nicht an die Gesetze des belgischen Staates gebunden, die als unnatürliche und unnationale zu zerstörende Konstruktion dargestellt wurden. In Wirklichkeit blieb die FNL im Rahmen der belgischen Rechtmäßigkeit und versuchte, durch die Teilnahme an Wahlen an die Macht zu gelangen. Die Party war erfolgreich. Bei den letzten Vorkriegswahlen 1939 wurden 15 Prozent der flämischen Stimmen (8 Prozent der belgischen Wähler) gesammelt. Auf lokaler Ebene hatte die Partei auf der Grundlage eines pro-flämischen und rechten Programms Koalitionen mit Zweigen der katholischen Partei gebildet.

Die Sozialisten, Liberalen und die christliche Arbeiterbewegung kämpften gegen die FNL als faschistische und pro-deutsche Partei. Aus gutem Grund. Staf De Clercq und andere FNL-Führer hatten geheime Kontakte zur Abwehr, dem deutschen Militärgeheimdienst. Sie boten der Bundeswehr im Kriegsfall ihre Dienste an. Konkrete Vorkehrungen wurden nie getroffen, aber wenige Tage nach der deutschen Invasion kontaktierte De Clercq die Abwehr. Am 4. Juni bot er der deutschen Besatzungsverwaltung die Mitarbeit seiner Partei an. De Clercq wollte das FNL-Programm mit Hilfe des Besatzers verwirklichen, die totale Macht erlangen, Dietsland gründen und den belgischen Staat zerstören. Dieser letzte Wunsch wurde nie erfüllt, da Berlin keinen neuen Staat an seiner Westgrenze wollte. Die FNL wurde jedoch zum privilegierten Partner der Besatzungsverwaltung, weil Hitler die "germanischen" Flamen gegenüber den "lateinischen" Wallonen bevorzugen wollte. Mit deutscher Hilfe wurde die Verwaltung des Landes massiv von FNL-Mitgliedern infiltriert, obwohl die Besatzungsverwaltung die belgische Staatsstruktur formal intakt hielt, weil Hitler keine endgültige Entscheidung über die politische Zukunft Belgiens treffen wollte. Die FNL blieb außerhalb wichtiger Machtzentren wie der belgischen Justiz, der wirtschaftlichen Entscheidungszentren und der katholischen Kirche. Als Gegenleistung für die eher begrenzte Machtübernahme musste sich die FNL voll und ganz auf die deutschen Kriegsanstrengungen einlassen, viele ihrer Mitglieder traten der Waffen-SS an der Ostfront bei.

Schon sehr früh stellte die FNL die politischen Garantien in Frage, die für ihre Bemühungen angeboten wurden. Über Dietsland zu sprechen war verboten und der belgische Staat blieb intakt. Sie sahen auch, wie der wallonisch-belgische Kollaborateur Léon Degrelle und seine Rexistenbewegung an Einfluss gewannen. Gleichzeitig begannen die SS-Führer in Berlin und Flandern, eine großdeutsche Bewegung gegen die FNL aufzubauen. Die deutsch-flämische Arbeitergemeinschaft wurde zu einem wichtigen Bauern auf der imperialistischen Agenda der Naziführung. Als Hitler am 12. Juli 1944 beschloss, Flandern als Reichsgau an Deutschland zu annektieren, wurde die FNL von der Macht verdrängt. Zu diesem Zeitpunkt waren Tausende von FNL-Mitgliedern in deutschen militärischen oder paramilitärischen Organisationen eingetragen oder in der Verwaltung des Landes tätig. Die FNL-Führer konnten ihnen keinen Ausweg bieten. Dies erklärt teilweise, warum die Partei bis zum Ende zusammengearbeitet hat.

Nach dem Krieg wurde die FNL von den belgischen Behörden als kollaborative Organisation verboten. FNL-Mitglieder in hohen Verwaltungspositionen und im deutschen Militärdienst wurden schwer bestraft. Viele ordentliche Mitglieder haben ihre Bürgerrechte verloren. Nach einigen Jahren setzte eine großzügige Gnadenpolitik die meisten bestraften FNL-Mitglieder frei und gab ihnen ihre politischen Rechte zurück. Einige wurden politisch aktiv in flämischen nationalistischen politischen Parteien der Nachkriegszeit, die einen demokratischen Weg einschlugen, um politische Autonomie für Flandern zu erlangen. Ideologien der extremen Rechten überlebten jedoch latent und tauchten 1979 wieder auf, als der Flämische Block (Vlaams Blok) als flämische nationalistische Partei mit einem ausdrücklich fremdenfeindlichen Programm gegründet wurde.