Fischer, joschka (b. 1948)

Außenminister der Bundesrepublik Deutschland und die führende Persönlichkeit der Umweltschützer-Grünen.

Joschka Fischer wurde in der deutschen Kleinstadt Gerabronn geboren. Seine Familie bestand aus sogenannten Donau-Schwabs (nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ungarn vertriebene Deutsche), die auf der soliden bürgerlichen deutschen "Bürger" -Tradition beruhten. Die seltsame Kombination aus bürgerlicher Seriosität und dem Trauma der Vertreibung prägte Fischers politische Weltanschauung, die im Laufe seines Lebens die Person des extrem linken Feuerbrands und den Inbegriff des international angesehenen Staatsmannes umfasste, zu dem er später wurde. Abhängig von ihren politischen Ansichten haben Beobachter Fischers Fähigkeit, beide Rollen zu übernehmen, ohne sie zu verleugnen, als Beweis für höchsten politischen Scharfsinn oder als Mangel an echten politischen Verankerungen interpretiert.

Fischers erster Ausflug in die aktive Politik fand Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre im Rahmen der turbulenten Studentenbewegung und der "außerparlamentarischen Opposition" statt. Obwohl Fischer selbst kein Student war, tauchte er in das von Studenten geführte linksradikale Milieu in Frankfurt ein und war in der anarcho-marxistischen Gruppe "Revolutionärer Kampf" - besser bekannt als "Spontis" - sehr aktiv. Während sie die städtischen Guerilla-Strategien von Gruppen wie der Red Army Faction (RAF) ablehnten, gaben sich viele Spontis der Gewalt auf der Straße hin. Fischer war ein führendes Mitglied der Spontis-Streitkräfte, der "Proletarischen Union für Terror und Zerstörung" (PUTZ), die in dieser Zeit ein fester Bestandteil politischer Demonstrationen in Frankfurt war. Letztendlich haben sich einige PUTZ-Mitglieder der von der RAF und anderen vertretenen Terrorstrategie zugewandt.

Fischers Straßenkampf-Vergangenheit hat seiner Karriere im Jahr 2001 beinahe einen fatalen Schlag versetzt, als zwei getrennte Themen zum Zentrum der öffentlichen Debatte wurden. Das erste war der Prozess gegen das ehemalige PUTZ-Mitglied Hans-Joachim Klein wegen seines Anteils an einem bewaffneten Angriff auf eine OPEC-Konferenz in Wien im Jahr 1975. Klein war in Frankreich auf der Flucht gewesen, bevor er im Jahr 2000 gefangen genommen wurde, und obwohl ein Viertel von a Jahrhundert war in der Zwischenzeit vergangen, sein Prozess eröffnete die nationale Debatte über die Gewalt der 1970er Jahre wieder. Für Fischer war diese Debatte sehr persönlich, weil ihm befohlen wurde, während des Prozesses auszusagen. Zur gleichen Zeit brach ein zweiter Skandal über Fotos von Fischer und seinen PUTZ-Kollegen aus, die 1973 während einer Demonstration in Frankfurt einen Polizisten verprügelten. Charakteristischerweise überlebte Fischer, was für viele kleinere Politiker ein tödlicher Schlag für ihre Karriere gewesen wäre. Trotzdem zeigten die Skandale, wie viel politisches Terrain Fischer in den Jahren seit 1973 bereist hatte.

Bis 2001 war Fischer Außenminister Deutschlands und das zweitmächtigste Mitglied der regierenden "Rot-Grün" -Koalition zwischen der Sozialdemokratischen Partei (SPD) und der Grünen Partei geworden. Die Koalition hatte 1998 nach jahrelanger politischer Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien auf Landesebene in Deutschland ab den frühen 1980er Jahren national die Macht übernommen. In dieser Zeit der Zusammenarbeit auf Landesebene hatte Fischer sein politisches Zeichen gesetzt. Von 1985 bis 1987 und erneut von 1991 bis 1994 war er zweimal als Umweltminister in Hessen tätig und erlangte den Ruf eines hochwirksamen Ministers, der in der Lage war, die strikte Anwendung bestehender Umweltgesetze sicherzustellen. Gleichzeitig konnte er innerhalb der Grünen eine Vormachtstellung erlangen.

Die Grünen waren aus den Anti-Atom- und "Bürgerinitiative" -Gruppen der späten 1970er Jahre hervorgegangen und 1983 erstmals in den Deutschen Bundestag eingetreten. In den frühen 1980er Jahren waren die Grünen in hohem Maße die von den späten Parteien beschriebene "Anti-Partei-Partei" Petra Kelly, aber Mitte der neunziger Jahre hatten Fischer und seine gemäßigten Kollegen innerhalb der Partei daraus eine Mitte-Links-Umweltpartei gemacht, die für die nationale Regierung geeignet war. Während dieses Prozesses wurden bisher nicht verhandelbare ideologische Schibboleths wie Pazifismus, Antiamerikanismus und Rückzug aus der NATO im ideologischen Profil der Partei entweder entfernt oder herabgesetzt. So hatten sich die Grünen Ende der neunziger Jahre so stark verändert, dass sie die Notwendigkeit einer bewaffneten Intervention in Bosnien akzeptieren und nach ihrem Amtsantritt sogar aktiv der NATO-Kampagne 1990 im Kosovo und 1990 zustimmen konnten US-geführte Kampagne in Afghanistan. Trotzdem war die Partei (zusammen mit der SPD und einer Mehrheit der deutschen Bevölkerung) den von den USA geführten Plänen zur Invasion des Irak zutiefst feindlich gegenüber und lehnte die Irak-Kampagne 1999 ab.

Während der zweiten Amtszeit der SPD-Grünen-Regierung (2002–2005) hatte Fischer begonnen, Ungeduld gegenüber den Grünen und sogar seiner Rolle in der Regierung zu zeigen. Gleichzeitig zeigten die Kritiker seiner Partei eine erhöhte Bereitschaft, Fischers politische Motivationen in Frage zu stellen und sich darüber zu ärgern, wie er die Partei zu dominieren schien. Es gab einige Spekulationen, dass er eine "würdigere" Rolle innerhalb der Europäischen Union oder der Vereinten Nationen übernehmen könnte - entsprechend seiner etablierten Rolle als internationaler Staatsmann. Nach der Niederlage der SPD-Grünen-Regierung bei den Bundestagswahlen 2005 verließ Fisher sein Amt als Außenminister und nahm innerhalb der Grünen einen viel geringeren Stellenwert ein.