Familiencode von 1926

1926 bestätigte die Sowjetregierung einen neuen Kodex für Ehe, Familie und Vormundschaft, der die Version von 1918 ersetzen sollte. Der neue Kodex wurde nach einer umfassenden und oft hitzigen landesweiten Debatte verabschiedet und befasste sich mit mehreren sozialen Fragen: dem mangelnden Schutz von Frauen nach der Scheidung; die große Anzahl obdachloser Waisenkinder (besprizorniki ); die Unvereinbarkeit von Scheidung und gemeinsamem Eigentum innerhalb des Bauernhaushalts; und die gegenseitigen Verpflichtungen von zusammenlebenden, unverheirateten Partnern.

Der neue Kodex förderte sowohl die individuelle Freiheit als auch einen besseren Schutz für schutzbedürftige Personen. Es hat das Scheidungsverfahren in der Fassung von 1918 noch weiter vereinfacht, indem umstrittene Scheidungen von den Gerichten an lokale statistische Ämter übertragen wurden. Jeder Ehepartner könnte ohne Zustimmung oder gar Wissen des Partners eine Scheidung anmelden. Diese Bestimmung beseitigte die letzte Autorität des Gesetzes über die Auflösung der Ehe und umschrieb sowohl die Macht des Gesetzes als auch die eheliche Bindung. Der Kodex erkannte die De-facto-Ehe (Zusammenleben) als die juristische Entsprechung der zivilen (eingetragenen) Ehe an und untergrub damit die Notwendigkeit, "legal" zu heiraten. Es enthielt eine Definition der tatsächlichen "Ehe", die auf dem Zusammenleben, einem gemeinsamen Haushalt, der gegenseitigen Erziehung von Kindern und der Anerkennung durch Dritte beruhte. Es stellte ein gemeinsames Eigentum zwischen Ehepartnern her und bot so den materiellen Schutz der Hausfrauen nach der Scheidung. Es hob die umstrittene Praxis der "kollektiven" Vaterschaft auf, die im Familiengesetzbuch von 1918 enthalten ist. Wenn eine Frau sexuelle Beziehungen zu mehreren Männern hatte und den Vater ihres Kindes nicht identifizieren konnte, würde ein Richter die Vaterschaft (und künftige Unterhaltszahlungen für Kinder) nur einem Mann zuweisen. Der Kodex enthielt ein Dekret vom April 1926, das das Adoptionsverbot aufhob und Bauernfamilien ermutigte, obdachlose Waisen zu adoptieren, die vollständig in den Bauernhaushalt integriert werden sollten und Anspruch auf Land hatten. Die Unterhaltsfrist für Behinderte wurde auf ein Jahr festgesetzt, für Bedürftige oder Arbeitslose sechs Monate Unterhalt. Durch die Erweiterung der Unterhaltsempfänger um Kinder, Eltern, Geschwister und Großeltern wurde auch ein größerer Kreis familiärer Verpflichtungen geschaffen.