Chronik der aktuellen Ereignisse

Die Chronik der aktuellen Ereignisse (Khronika tekushchikh sobyty ) war eine geheime Zeitschrift sowjetischen Dissens. Es berichtete über die Aktivitäten von Dissidenten, die den Bereich der bürgerlichen Freiheit und des politischen Ausdrucks erweitern wollten. Es erschien in unregelmäßigen Abständen von 1968 bis 1983.

Der Chronik wurde in Moskau von anonymen Redakteuren zusammengestellt, die auf ein Netzwerk von Informanten in der gesamten Sowjetunion zurückgreifen. Es wurde produziert von Samisdat ("Self-Publishing") Techniken. Es wurden maschinengeschriebene Texte mit mehreren Durchschlägen zusammengestellt, deren Empfänger zusätzliche Kopien erneut eintippten und sie in Kettenbriefform weitergaben. Das Chronik dokumentierte die Ansichten der Dissidenten, berichtete über ihre Verhaftungen und Gerichtsverfahren und beschrieb ihre Behandlung in Gefängnissen, Arbeitslagern und Irrenanstalten.

Die Compiler der Chronik, Wie die meisten Aktivisten für bürgerliche Freiheiten stammten sie aus der gebildeten, professionellen Schicht der sowjetischen Gesellschaft. Das Chronik enthielt nicht nur Berichte über ihre Bemühungen, sondern auch über die Aktivitäten nationaler Minderheiten und religiöser Gruppen. Dazu gehörte unter anderem die Kampagne der Krimtataren, in ihre Heimat auf der Krim zurückzukehren, aus der sie im Zweiten Weltkrieg deportiert worden waren; die Bemühungen der sowjetischen Juden, nach Israel auszuwandern; und die Forderungen der litauischen Katholiken, der ukrainischen Uniaten und der Baptisten nach Religionsfreiheit. Und so kam es dass der Chronik hat bisher isolierte Einzelpersonen und Gruppen in einer informellen landesweiten Organisation zusammengeführt.

Obwohl gezwungen, durch verschwörerische Methoden zu veröffentlichen, die Chronik war der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet. Sie veröffentlichte repressive Maßnahmen der Behörden und forderte die Regierung auf, die Bestimmungen des sowjetischen Rechts und der internationalen Abkommen einzuhalten, die die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit sowie andere Menschenrechte garantierten. Es diente als Informations- und Kommunikationszentrum für die Dissidentenbewegung und verband ihre unterschiedlichen Stränge. Die Existenz der Veröffentlichung war jedoch immer prekär und wurde letztendlich unterdrückt.