Chester f. Carlson

Der amerikanische Erfinder Chester F. Carlson (1906-1968) erfand das Verfahren der Xerographie, das die Grundlage für den Betrieb der Bürokopiergeräte bildete, die erstmals 1959 von der Xerox Corporation eingeführt wurden.

Chester Floyd Carlson wurde am 8. Februar 1906 in Seattle, Washington, geboren. Krankheit und Armut in seiner Familie zwangen ihn, als Teenager die wichtigste finanzielle Unterstützung seiner Eltern zu werden. Trotz dieser Verantwortlichkeiten und Nachteile. Carlson arbeitete sich durch das College und schloss 1930 sein Studium am California Institute of Technology mit einem Bachelor of Science in Physik ab.

Nachdem er vergeblich versucht hatte, eine Anstellung als Physiker in Kalifornien zu finden, ging er nach New York City, wo ihm die PR Mallory Company, eine Elektrofabrik, eine Stelle in ihrer Patentabteilung anbot. Dieser Job war in zweierlei Hinsicht von entscheidender Bedeutung für Carlsons Karriere als Erfinder. Zunächst wurde er in das Patentrecht und die Patentverfahren eingeführt. Zweitens machte ihn die Notwendigkeit, Patentzeichnungen und -spezifikationen zu duplizieren, auf die Unzulänglichkeiten des bestehenden Fotostatverfahrens zum Kopieren von Dokumenten aufmerksam.

Carlson blieb bis 1945 in Mallory und wurde schließlich Leiter der Patentabteilung.

Während seiner Arbeit in Mallory besuchte Carlson nachts die New York Law School und erhielt 1939 sein Jurastudium. Ein Jahr später wurde er als Rechtsanwalt in New York zugelassen. Gleichzeitig forschte er an einem Vervielfältigungsverfahren, mit dem schnell saubere Kopien erstellt werden können, ohne die für die fotografische Reproduktion erforderlichen chemischen Lösungen, Filme und Druckpapiere zu verwenden.

Carlson begann seine Suche nach einem alternativen Verfahren mit dem Lesen der verfügbaren Literatur zu Druck, Fotografie und verschiedenen Kopiertechnologien. Seine Studie überzeugte ihn davon, dass es auf noch nicht näher spezifizierte Weise möglich sein könnte, Dokumente unter Verwendung der Fotoleitfähigkeit zu duplizieren. Er entschied, dass die Nassprozessfotografie durch die Trockentechniken der sogenannten "Elektrofotografie" ersetzt werden muss.

Mit dem geringen Geldbetrag, den er besaß, kaufte Carlson Chemikalien und Ausrüstung und verwandelte seine New Yorker Wohnung in ein Labor (1934). Carlson konnte sich nicht ganz dieser Arbeit widmen und stellte einen arbeitslosen deutschen Physiker und Ingenieur namens Otto Kornei ein, um ihm zu helfen. Carlson und Kornei, die auf ein Forschungsbudget von 10.00 US-Dollar pro Monat begrenzt waren, konnten im Oktober 1938 die erste elektrophotographische Kopie anfertigen. Es lautete einfach "10 Astoria".

Diese Kopie wurde nach einer primitiven, aber innovativen Methode hergestellt, die die Grundlage für Carlsons spätere Forschung und für die daraus entstandene Industrie bildete. Zuerst wurde das Fell oder das Baumwolltuch eines Kaninchens kräftig über die Oberfläche einer Metallplatte gerieben, die mit einer Schwefelschicht beschichtet war. Das Reiben lud die Platte mit statischer Elektrizität auf. Die geladene Platte wurde dann unter ein Stück Glas gelegt, auf das das zu kopierende Material eingefärbt wurde. Als nächstes wurden Metallplatte und Glas einige Sekunden lang einer hellen Lichtquelle ausgesetzt. Diese Belichtung führte dazu, dass die Schwefelbeschichtung in unterschiedlichem Maße ihre Ladung verlor, je nachdem, wie viel Licht ihre Oberfläche erreichte. Tatsächlich erzeugte die intensive Beleuchtung ein unsichtbares elektrostatisches Bild des zu kopierenden Materials. Dieses Bild könnte durch Abstauben eines elektroskopischen Pulvers auf der Platte sichtbar gemacht werden. Das Pulver wurde von den Bereichen angezogen, die weniger intensiv beleuchtet worden waren. Um das zerbrechliche Pulverbild dauerhaft zu machen, drückte Carlson vorsichtig ein Stück wachsbeschichtetes Papier über die vorbereitete Platte. Das Pulver haftete an der Oberfläche des Wachspapiers und fixierte es.

Obwohl bei der Verbesserung der neuen Trockenkopiertechnik, die als "Xerographie" bezeichnet wurde, offensichtlich noch viel zu tun blieb, meldete Carlson wichtige Patente für das Verfahren an (1939, 1940). Carlson hatte weder das Geld, die Laboreinrichtungen noch das mechanische Talent, um seine Experimente in ein funktionierendes Kopiergerät umzuwandeln, das für den öffentlichen Gebrauch bereit war. Daher einigte er sich 1944 mit dem Battelle Memorial Institute, einem gemeinnützigen industriellen Forschungslabor, darauf, seine Erfindung über die ersten Phasen hinaus zu entwickeln. Drei Jahre später übernahm die Haloid Company aus Rochester, New York, die endgültige Umwandlung der Xerographie in ein kommerzielles Produkt. Haloid, das zu Haloid-Xerox und dann zu Xerox wurde, demonstrierte 1948 öffentlich die Xerographie und bot 1959 die ersten Xerox-Kopiergeräte zum Verkauf an.

Als die Xerographie zu einem komplexen technischen und geschäftlichen Unterfangen wurde, zog sich Carlson aus der aktiven Beteiligung zurück, außer als Berater der Xerox Corporation. Bis 1945 brachte ihm seine Erfindung eine ausreichende finanzielle Sicherheit, damit er sich aus Mallory zurückziehen konnte. Lizenzgebühren aus seinen Xerographiepatenten machten Carlson zu einem Multimillionär, und im späteren Leben engagierte er sich in vielen philanthropischen Bestrebungen.

Weiterführende Literatur

Zu Carlsons Leben und Werk und zur kommerziellen Entwicklung der Xerographie siehe John H. Dessauer, Meine Jahre mit Xerox: Die Milliarden, die niemand wollte (1971). Die technische Seite der Xerographie wird in John H. Dessauer und Harold E. Clark (Herausgeber) behandelt. Xerographie und verwandte Prozesse (London, 1965). □