Bormann, Martin (1900–1945?)

Deutscher Naziführer.

Martin Bormann wurde am 17. Juni 1900 in Halberstadt, einer kleinen Stadt östlich von Göttingen, in eine Familie niederrangiger Beamter geboren. In sehr jungen Jahren verwaist, erhielt er eine Sekundarschulausbildung und leistete seinen Militärdienst. Danach studierte er Agronomie. Bereits 1920–1921 schloss er sich der rechten Völkischen Bewegung an, in der er die virulentesten antisemitischen Elemente unterstützte. Kurz darauf gab er alle beruflichen Ambitionen auf und widmete sich hauptberuflich den militarisiertesten und gewalttätigsten Tendenzen der radikalen Rechten als Geschäftsführer des Veteranenverbandes des Rossbach Freikorps. Neben Rudolf Franz Höss, künftiger Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, beging er einen politischen Mord, für den die beiden Männer 1924 zu einem Jahr Haft verurteilt wurden. Nach seiner Freilassung lernte Bormann Ernst Röhm kennen und trat der Organisation Sturmabteilung (SA) bei, die Röhm als Ersatz für die nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) nach ihrem Verbot nach dem November gegründet hatte 1923 Münchener Putsch, angeführt von Adolf Hitler (1889–1945).

Als die NSDAP 1927 legalisiert wurde, trat Bormann als professioneller politischer Führer und Aktivist in sie ein, der durchaus bereit war, notfalls zu töten. Zunächst war er in seiner Heimat Thüringen als regionaler Pressesprecher und Business Administrator tätig. Ab 1928 war er dem Oberkommando der SA angegliedert, arbeitete in Röhms Hauptquartier und leitete den Stiftungsfonds der NSDAP. Von nun an war Bormann Parteiführer, wenn auch weniger im politischen Bereich als als Administrator; Der tägliche Papierkram war sein bevorzugter Einflussbereich. Er baute auch in NS-Kreisen feste Verwandtschaftsbeziehungen auf, als Zeuge seiner Ehe mit der Tochter des obersten Richters der Partei, Walter Buch, mit Hitler als Trauzeuge bei der Hochzeit. Im Juli 1933 wurde er NSDAP-Reichsleiter, der höchste Rang in der Parteihierarchie, und enger Berater des stellvertretenden Führers Rudolf Hess. Im selben Jahr wurde er in den Reichstag gewählt und bald mit der Verwaltung des Privatvermögens des Führers und Kanzlers betraut. Obwohl er nur einer von vielen Führern der NSDAP und des aufkeimenden NS-Regimes war, konnte er sich zwischen 1933 und 1941 einen einzigartigen Platz im (ebenso einzigartigen) Staatsapparat des Dritten Reiches erarbeiten.

Als rechte Hand von Rudolf Hess hatte Bormann ab 1933 direkten direkten Zugang zum Führer. Historiker wissen inzwischen gut, dass der nationalsozialistische Staatsapparat, obwohl er den Diktator sicherlich in den Mittelpunkt des Entscheidungsprozesses stellte, diesen Prozess auf einzigartige Weise dahingehend veränderte, dass die traditionellen Regierungsinstitutionen durch die Schaffung schnell außer Gefecht gesetzt wurden von neuen, oft hochspezialisierten Abteilungen, die heftig miteinander konkurrieren. In diesem Kontext wurde der heutige Betrieb der Kanzlei von enormer Bedeutung. Alle offenen Akten, die auf Hitlers Unterschrift warten, wurden von der Kanzlei nach Priorität geordnet. Dieser Prozess bestimmte nicht nur die Geschäftsordnung der höchsten Autorität, sondern vor allem auch die Rolle und den Ort jeder nationalsozialistischen Institution und jedes nationalsozialistischen Führer. Sogar Heß selbst, der stellvertretende Führer, wurde an den Rand gedrängt, als Bormann sich allmählich zum alleinigen Meister der Zeitung machte, die Hitler erreichte, und ihn damit in den Augen des Führers unverzichtbar machte. Als Heß 1941 die gefährliche Reise nach Großbritannien unternahm, war Martin Bormann der einzige Torhüter, der den Zugang zu Hitler kontrollierte. Seine Rolle in der Hierarchie des Dritten Reiches wurde immer wichtiger, und dank seiner "Kanzlei der Partei" kontrollierte er die gesamte NSDAP, ohne jemals, wie es Heinrich Himmler oder Hermann Göring taten, über einen bestimmten Sektor zu herrschen war aus Sicht der Partei strategisch. Er schützte Hitler vor administrativen Aufgaben und kontrollierte erfolgreich die Machtverteilung und die Erteilung der Zustimmung des Führers im ganzen Reich.

Das Bild, das Bormann projizierte, war das eines Bürokraten mit steinernen Gesichtern - schroff, effizient und Hitler unerschütterlich treu. Es besteht kein Zweifel, dass Bormann von klein auf ein Antisemit und ein lebenslanger Parteitreuer war. Sein unerschütterliches Engagement für die NSDAP wurde nur durch seinen Antiklerikalismus übertroffen, der ihn ab 1942 dazu veranlasste, sich für die brutale Unterdrückung der katholischen Kirche einzusetzen. Wie andere Häuptlinge der Nazis erwies sich Bormann gegen Ende des Krieges als leidenschaftlicher letzter Grabenfresser und speiste den selbstzerstörerischen Impuls, der den Führer in den letzten Wochen der Feindseligkeiten ergriff. Er war eine treibende Kraft der Volkssturm, die 1944 begonnene erzwungene Einberufung aller ungedeckten deutschen Männer, jung und alt, durch die Nazis. Und er blieb bis zu Hitlers Selbstmord an der Seite seines Herrn. Bormann selbst wurde am zweiten oder dritten Mai 1945 nördlich der Kanzlei getötet, als er versuchte, die russischen Grenzen zu überschreiten. Sein Tod wurde jedoch erst bestätigt, als seine sterblichen Überreste 1973 identifiziert wurden, und sein Schicksal war zunächst so rätselhaft, dass er in Abwesenheit in Nürnberg zum Tode verurteilt und verurteilt wurde. Zweifellos erlangte dieser gesichtslose Administrator, der von seinen Zeitgenossen so unterschätzt wurde, in den Nachkriegsjahren enorme Bekanntheit, als alle möglichen Legenden über sein angebliches Überleben aufwuchsen.