Alexius ritter von handschuchsheim meinong

Der österreichische Philosoph Alexius Meinong, Ritter von Handschuchsheim (1853-1920), leistete wichtige Beiträge zur allgemeinen Referenztheorie und zum Verständnis von Werten.

Alexius Meinong wurde in Lemburg, Polen, geboren, aber seine Familie kehrte bald nach Österreich zurück. Seine gesamte formale Ausbildung fand in Wien statt, zuerst am Akademischen Gymnasium und dann an der Universität, wo er 1874 seinen Abschluss in Geschichte und Philosophie machte. Wie die anderen wichtigen Persönlichkeiten der österreichischen Philosophie geriet er dann unter den Einfluss von Franz Brentano. Brentano ermutigte ihn, David Hume zu studieren, und zu gegebener Zeit produzierte Meinong zwei Bücher über den englischen Philosophen. Seine philosophische Lehre stand somit in der Tradition des britischen Empirismus, und seine spätere Arbeit verdankt diese Tradition mehr als jedem deutschen Philosophen.

Meinong lehrte vier Jahre (1878-1882) als Dozent in Wien und zog dann nach Graz, wo er für den Rest seines Lebens unterrichtete. Das Hauptereignis seiner langen Amtszeit in Graz war die Gründung des Instituts für Experimentelle Psychologie, der ersten derartigen Einrichtung in Österreich.

Meinongs originellster Beitrag zur Philosophie ist seine Objekttheorie. Sein Ausgangspunkt ist, dass die Theorie der Objekte zu eng ausgelegt ist. In der Philosophie gibt es eine allgemeine Tendenz, sich nur mit den existierenden Objekten zu befassen, und darüber hinaus eine Tendenz im gesunden Menschenverstand, das existierende Objekt mit materiellen Entitäten gleichzusetzen. Gegen diese beiden Tendenzen argumentiert Meinong, dass es einen wichtigen Unterschied zwischen dem Sprechen über nicht existierende Objekte und dem Sprechen über nichts gibt. Es ist zum Beispiel möglich, wahre und falsche Aussagen über den Weihnachtsmann zu sortieren, und dies könnte nicht der Fall sein, wenn der Name überhaupt nichts bedeutet. Was es bedeutet, ist ein Objekt mit ganz bestimmten Eigenschaften ("lebt am Nordpol", "treibt Rentiere an"), das zufällig nicht existiert. Im Allgemeinen, sagt Meinong, ist es immer möglich, die Eigenschaften eines Objekts (Sosein) von seinem Sein zu unterscheiden. Dieses Prinzip ermöglicht es ihm, sehr einfallsreiche Diskussionen über unmögliche Objekte, unvollständige Objekte, fehlerhafte Objekte, inklusive Objekte und dergleichen einzuleiten.

In einem posthum veröffentlichten Buch, Auf den Grundlagen der Allgemeinen Werttheorie (1924) erweitert Meinong seine Theorie auf Ethik und Ästhetik. Hier versucht er zu zeigen, dass Werte Objekte sind, die wir durch verschiedene Gefühlsweisen erfassen. Anschließend versucht er, Kriterien für Situationen anzugeben, in denen diese Gefühle als richtig oder falsch, angemessen oder unangemessen bezeichnet werden können.

Obwohl Meinongs Werk noch weitgehend ungelesen ist, hat es durch die Interpretationen von Bertrand Russell und GE Moore einen erheblichen Einfluss auf die englische Philosophie gehabt. Neuere Arbeiten weisen darauf hin, dass diese frühen Interpretationen fehlerhaft waren und Meinong möglicherweise noch eine angemessenere Anhörung erhält.

Weiterführende Literatur

JN Findlay, Meinongs Theorie der Objekte und Werte (1933; 2. Aufl., 1963) ist eine weitgehend sympathische Darstellung, aber einige Kritikpunkte werden zusammen mit einer kurzen biografischen Skizze und einer Gesamtbewertung der Bedeutung von Meinong hinzugefügt. Gustav Bergmann, Realismus: Eine Kritik von Brentano und Meinong (1967) bietet eine umfassende Bewertung.

Zusätzliche Quellen

Lindenfeld, David F., Die Transformation des Positivismus: Alexius Meinong und europäisches Denken, 1880-1920, Berkeley: University of California Press, 1980. □